Wie werde ich Falkner

Da immer wieder  die Frage gestellt wird

” Wie werde ich Falkner”

möchte ich hier mal verschiedene Grundlagen erklären bzw. die verschiedenen Wege dorthin erläutern!

Wo fange ich am besten an!?

Der aktive Falkner sowie jeder Falkner der einen Greif frei fliegen lässt, muss im Besitz eines gültigen Jagdscheines und der bestandenen Falknerprüfung sein ( diese beiden Komponenten ergeben des Falknerschein). Das bedeutet das als erstes i.d.R. der Jagdschein angegangen wird, dieser kann entweder in einem Kurs ( meistens beim Hegering der Heimatgemeinde) oder als Kompaktkurs in einer der vielen Jagdschulen vorbereitet werden. Die Dauer und die Kosten hierfür sind natürlich recht unterschiedlich, während der Kurs bei der Hegegemeinschaft ca. 1800 Euro bei ca. 7 – 12 Monate Dauer ( incl. Lernmaterial und schießen) kostet werden daraus bei einer Jagschule schon mal leicht 3500 – 4000 Euro bei ca 1-2 Monaten Dauer ( allerdings dann kompakt von morgens bis abends), das sollte man bedenken. Nun gibt es ja die Möglichkeit den Jagdschein als eingeschränkten Jagschein zu machen d.h. ohne Waffenkunde und auch ohne Prüfung in diesem Fach, ich kann da aber nun abraten, da erstens die Kosten meistens nicht wesentlich geringer werden und zweitens ist man ohne Waffe niemals Jagdpachtfähig und nimmt sich die Möglichkeit über einen Begehungsschein in ein Revier herein zu kommen welches man auch evtl. später für die Beizjagd begehen dürfte. Nun haben wir den Jagdschein und möchten natürlich direkt anschließend die Falknerprüfung angehen, dafür sollte man sich erstmal ein Bundesland auswählen welches eine seperate Falknerprüfung anbietet, z.B. NRW. Andere Bundesländer sind leicht über Google zu finden, allerdings wird bei einigen davon der bestandenen Jagdschein bereits als Vorraussetzung verlangt. In NRW wird nach dem Buch ” Schöneberg – Falknerei ” sowohl gelernt als auch geprüft, die Prüfung besteht aus einem mündlichen Teil mit Abfrage der Greifvogelarten, Krankheiten, Vorkommen, Haltung, Jagd, Hunde und Recht. Nach bestandenem mündlichen Teil kommt dann der praktische Teil, hier muß an diversen Präperaten demonstreirt werden wie ich mit meinem Beizvogel umgehe d.h. ich muß Geschüh , Drahle, Bells usw. anlegen und den Vogel richtig anbinden usw. Das für diese Prüfung nötige Wissen sollte man in einen extra von verschiedenen Falknerverbänden angebotenen Kurs

erlernen. Der ODF führt jedes Jahr im September in der Nähe von Siegen einen Vorbereitungskurs zu Falknerprüfung durch, dieser besteht aus 5 Tagen therorie und Praxis und wird durch ein Wiederholungswochenende im Februar gefestigt. Die Prüfungen finden in NRW einmal im Jahr in der zweiten Märzwoche statt.Die Kosten für diesen Kurs belaufen sich auf ca. 300 Euro für Kurs plus Unterbringung und Essen, aber auch da gehen die Kosten und die Dauer der Kurse bei den verschiedenen Anbietern auseinander. 

Es ist völlig egal ob ich nur einen Greif auf meiner Wiese fliegen möchte oder ob ich jagen gehen will, ich muß ( Gesetz) die obigen Prüfungen ablegen, ist der Greifvogel einmal eingeflogen und fliegt frei ( auch wenn er nur auf dem eigenen Grund fliegt) ist er in der Lage Beute zu machen, falls das geschieht ist das Wilderei da lässt sich nicht dran rütteln und die Folgen dürften jedem klar sein. Ein Greifvogel ( auch ein zahmer) fliegt nunmal nur aus Hunger, der eine mit mehr Hunger der andere mit weniger , d.h. der Greif wird immer eine Chance nutzen auch wenn sich ihm nur ein krankes Tier zeigt, der Instikt wird siegen und dann ist das Problem da.

So sind nun die Scheine bestanden geht das mit dem Greifvogel los. Ich empfehle sich einem erfahrenen Falkner anzuschließen und ihm etwas über die Schulter zu schauen.

Als erstes sollte man sich Gedanken darüber machen an welcher ” Art” der Falknerei man überhaupt Interesse hat. Möchte man aktiv als Falkner mit dem Greif auch jagen gehen oder stellt man sich eher die Schaufalknerei ( Greifvogelvorführungen ) vor oder möchte man lediglich einen Greif zum Spaß halten und fliegen ( zu dem Thema Spaß später mehr). Es ist nicht alles immer so einfach wie es aussieht und vor allem sind unsere Gesetze diesbezüglich teilweise sehr unterschiedlich ( auf Landesebene) und auch verwirrend. Ich werde versuchen hier etwas Licht in diese Sache zu bringen.

Jeder sollte nach gründlicher Überlegung bei seiner Unteren, Oberen Jagdbehörde oder der zuständigen Naturschutzbehörde vorsprechen und dort erfragen welche Grundlagen für die Haltung von Greifen in meinem jeweiligen Bundesland zu erfüllen sind .Aber auch da werden dann sofort die Meinungen auseinander gehen da die Haltung von ” einheimischen Greifen” ( Wanderfalke, Habicht, Steinadler usw.) zwingend ,laut Gesetzt, an den vorhandenen Jagdschein und Falknerschein gekoppelt ist, also werde ich jetzt hier erstmal die Grundlagen anhand der Haltung von ausländischen Greifen darstellen. Ausländische Greife sind alle Greifvögel die nicht in Anhang 4 der Bundeswildschutzverordnung aufgeführt sind und für deren Haltung in den verschiedenen deutschen Bundesländern unterschiedliche Vorraussetzungen zu erfüllen sind. So ist z.B. ein Haltung und/oder Zucht dieser Greife in Hessen ohne jegliche Prüfung oder einen der Scheine möglich, allerdings auch nur die Volierenhaltung ohne Anbindung der Greife, also eine Haltung von Greifen am Block, an der Flugdraht ist somit nicht erlaubt, aber die Haltung in der Voliere ( die genauen Vorgaben bezüglich Volierengröße usw.  könnt ihr als PDF Dokument  auf meiner Seite runterladen). Auch ist es nicht erlaubt die evtl. so gezüchteten Jungtiere aus den Volieren zu nehmen und diese anzubinden oder zum ” locke” machen an Sprenkel oder Recks zu setzen. In NRW ist eine Haltung ( egal welcher Greif ob ausländischen oder heimisch) an das vorhanden sein mind. der Falknerprüfung gekoppelt, da dieses Bundesland eine alleinige Falknerprüfung ( auch ohne Jagdschein, dann als besserer Sachkundenachweis) anbietet kann man von Behördenseite natürlich auf dieser Prüfung bestehen ( ist meiner Meinung nach auch Vernünftig, da dann wenigstens eine Art ” Grundwissen” da ist. Also sollte sich jeder vorher bei seinen zuständigen Behörden schlau machen und die Grundvoraussetzungen erfüllen. Darunter fallen auch die Bedingungen der Haltung, die Volieren usw. Immer wieder werde ich gefragt warum die Volierenvorgaben ” so Klein wären” und “das die Vögel doch mehr Platz zum fliegen benötigen”. Erstens der Greifvogel fliegt in der Regel nur wenn er Hunger hat, da er vom Falkner jeden Tag gute Atzung erhält wird er seine Flugübungen fast ganz einstellen und zweitens sind große Volieren für viele dieser Greife der sichere Tot, da z.B. Falken nach relativ kurzer Strecke schon enorme Geschwindigkeiten entwickeln und der Volierendraht dann zu einer harten Bremse wird, die den Vogel schnell das Leben kosten kann.

Möchte man sich einen Greifvogel aufstellen sollte man unbedingt daran denken das der Vogel mehrfach die Woche Bewegung braucht d.h. auch das ich den Greif in einer Kondition ( körperlichen Verfassung) haben muß das er sowohl auf mein Rufen sofort reagiert wie auch das er viel und ausdauernd fliegen bzw. jagen kann. Wenn ich einen Greif aus ” Spaß” halte wird das früher oder später in die Hose gehen, dafür gibt es genügend Beispiele, der Harris der alles ganz super machte trotz hohem Gewicht und plötzlich auf nimmer Wiedersehen verschwunden war, das ist alles Unfug. Der Greif baut zu seinem Falkner eine Beziehung auf, es ist nochmal was ganz anderes ob ich einen Greif für die Jagd abtrage oder für eine Flugshow, der jagende Greif muß schon bisschen aggressiv sein und Willen haben, der Greif in der Flugshow sollte am besten nur auf Zuruf kommen und das wars, das sind verschiedene Schuhe, besonders bei Falken, in der Flugshow fliegt der Falke 20 Minuten einige Kurven und paar Angriffe auf Fedespiele oder sonstige Beuteatrappen, beim Falkner schraubt sich der Falke hoch und wartet dort oben an ob da unten beim Falkner Beute hoch geht, falls ja fällt er wie ein Strich nach unten und schlägt die hoch gehende Beute, oder fliegt von der Faust Angriffe auf Krähen oder anderen Flugwild, der Falke braucht Wille und Kondition um der Beute überlegen zu sein und auch um sie überhaupt einzuholen. Ein Falke in einer Vorführung fliegt mal mit 40 Km/h auf das Federspiel zu mal mit 80 Km/h, es ist ihm egal das er nicht davon leben muß oder nicht unbedingt Beute machen muß, er weiß das das ein Spiel ist und er seine Belohnung auf jeden Fall bekommt.

Sollte noch jemand Fragen haben bitte ich um eine kurze Mail.

Falknersheil

Marco Schlief